Auf der Innovation Village Retail – in ihrer zehnten Ausgabe – berichten Start-ups von einer Branche, die sich einer umfassenden Digitalisierung stellt: zur Fußvermessung, zur Zertifizierung der Lieferkette, zur Nutzung von 3D in jeder Phase des Produktlebenszyklus und zur Förderung der Individualisierung. Eine Zukunft, die von KI bestimmt wird und die laut Alberto Mattiello bereits bereit ist, die Konzeption, Produktion und den Verkauf von Schuhen und Taschen zu revolutionieren.
Die Juni-Ausgabe der Messe in Riva wird ganz im Zeichen der Innovation stehen … mit einer Überraschung!
Einige berühmte Präsentationen endeten mit dem legendären Satz: „One more thing“. Auch in diesem Jahr werden die Expo Riva Schuh und Gardabags die Besucher mit einer Überraschung begeistern, die den frischen, dynamischen und mitreißenden Charakter der Innovation verkörpert. Wir werden später noch darauf zurückkommen, doch der revolutionäre Duft einer Technologie, die zunehmend in der Lage ist, die Spielregeln in der Produktion und im Verkauf von Schuhen und Taschen zu verändern – dieser geheimnisvolle Duft, der nach Zukunft riecht –, wird die gesamte Sommerausgabe der Expo Riva Schuh und Gardabags (13.–16. Juni 2026) begleiten. Innovation wird nämlich ein zentrales Thema sein.
Beginnen wir mit einigen Zahlen, die zeigen, dass Innovation generell ein Fokus ist, auf den man nicht verzichten kann. Laut dem jüngsten „World Footwear“-Bericht ist der Einsatz von KI in Unternehmen der OECD-Länder von 6 % im Jahr 2020 auf 20 % im Jahr 2025 gestiegen. Eine Kurve, die gerade in den letzten zwei Jahren steil ansteigt – in jenen Jahren, in denen ChatGPT, Claude, Gemini und ähnliche Systeme aufgehört haben, bloße Spielzeuge für den „Wow“-Effekt zu sein, und begonnen haben, echte Arbeit zu leisten. In der Schuhindustrie lässt sich diese Kurve in konkrete Fälle umsetzen. Fallstudien aus Portugal zeigen beispielsweise, dass allein die von Olifel entwickelte KI-gestützte Planung den Arbeitszyklus von acht auf eine Stunde verkürzt und die Einhaltung des Produktionsplans von 50 % auf 98,5 % gesteigert hat. ISI plant, die Planungszeiten um 90 % zu verkürzen. MIND verkürzt dank der verbesserten 3D-Modellierung den Zyklus vom Konzept bis zum Muster um drei Viertel. Es geht nicht nur um Software. In Monsummano Terme (in Italien) – einer Region, die man nicht unbedingt als „fortschrittlich“ bezeichnen würde – konnten Schuhhersteller, die in Digitalisierung und Automatisierung investiert haben, Produktionssteigerungen von bis zu 30 % bei einer Senkung der Betriebskosten um 15 % verzeichnen. Am Polytechnikum Mailand arbeitet Paolo Rocco unterdessen am „Soft Handling“: kollaborative Roboter, die – dank Tastsensoren, Computer Vision und maschinellem Lernen – lernen, verformbare Objekte wie Kabel, Stoffe und Schuhobermaterialien zu handhaben Das ist der letzte Knackpunkt der derzeitigen Automatisierung. Und er gibt nach.
Das klarste Bild davon, wohin die Reise geht, zeichnete jedoch Alberto Mattiello
in Orlando (USA) während des jüngsten Kongresses der NSRA – National Shoe Retailers Association. Mattiello – Futurist und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Expo Riva Schuh und Gardabags – hat vier Ebenen der künstlichen Intelligenz identifiziert, die nebeneinander bestehen und die Regeln des Schuh- und Taschenhandels neu definieren. Es gibt die horizontale KI, die mittlerweile fast jeder nutzt. Nicht mehr nur Chatbots, sondern KI-Agenten, die durchs Internet surfen, Formulare ausfüllen und an unserer Stelle Muster bestellen können: Mattiello berichtet, dass er seine KI nach Lieferanten für Bio-Materialien auf Pilzbasis suchen ließ. Ohne dass er etwas unternommen hatte, wurde ihm eine Probe ins Büro zugestellt. Dann gibt es noch die vertikale KI: 50.000 spezialisierte Tools für ganz bestimmte Probleme, von Verträgen über Preisgestaltung bis hin zu Fotoshootings ohne Fotostudio. Eine dritte Ausprägung der KI betrifft das Phänomen des Vibe Coding: Heute kann jeder eine Maschine bitten, die benötigte Software zu erstellen, ohne auch nur eine Zeile Code schreiben zu müssen. Die vierte ist in physische Produkte integriert: von der Waschmaschine, die natürliche Sprache versteht, bis hin zur Tennisballmaschine, die den Spielstil von Alcaraz simuliert. In dieser Übersicht sind zwei Erkenntnisse besonders hervorzuheben. Die erste: die persönliche KI. Wenn unser digitaler Assistent unsere Anamnese, unsere Vorlieben und den Inhalt unseres Kleiderschranks kennt, wird er die Einkäufe für uns erledigen. Mastercard und Visa haben bereits die Infrastruktur geschaffen, damit Agenten von Perplexity, ChatGPT und Gemini Zahlungen abwickeln können. McKinsey schätzt, dass das „Web Agentico“ innerhalb von drei Jahren fünf Billionen Dollar umsetzen wird. SEO – die Optimierung von Inhalten für Suchmaschinen – weicht GEO: sich den KI-Systemen verständlich zu machen, die im Auftrag ihrer menschlichen Nutzer Einkäufe tätigen.
Die zweite Intuition: Heute kann ein Schuh- oder Lederwarenhersteller innerhalb weniger Minuten von einer Idee zu einem digitalen Prototyp gelangen. Das Time-to-Market verkürzt sich, die Musterkollektionen werden kleiner, und Entscheidungen werden in demselben Raum getroffen, in dem die Ideen entstehen.
In einem so umrissenen Szenario verdeutlichen die Zahlen, worum es geht: 1,3 Milliarden Menschen nutzen täglich KI, das erklärte Ziel ist es, bis 2030 5 Milliarden zu erreichen.
Retail Hub, Partner der Messe in Riva del Garda im Bereich Innovation, fügt weitere Überlegungen hinzu (Link zur Pressemitteilung oder News auf der Website): Laut dem Bericht „State of Fashion Technology 2026“ betrachten heute über 75 % der internationalen Modemarken künstliche Intelligenz und digitale Technologien als strategische Priorität, um das Customer Experience, die Supply Chain und die Nachhaltigkeit zu verbessern. In einem solchen Umfeld sind Start-ups heute einer der wichtigsten Innovationsmotoren der Branche. Der „Global Startup Ecosystem Report 2025“ hat über 5 Millionen Start-ups in mehr als 350 internationalen Ökosystemen analysiert und dabei bestätigt, dass technologische Innovation, künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit heute die wichtigsten Triebkräfte des neuen globalen Unternehmertums sind (in Italien sind mehr als 12.000 Start-ups beim MIMIT registriert).
Wenn man all diese Überlegungen zusammen betrachtet, wirken sie wie Science-Fiction. Genau hier kommen die Expo Riva Schuh und Gardabags ins Spiel, um die Innovation wieder konkret in die Geschäftswelt zu bringen. Die Ausgabe im Juni 2026 markiert die zehnte Ausgabe des Innovation Village Retail und der Startup Competition. Zehn Ausgaben in fünf Jahren, fast 90 Start-ups aus 17 Ländern: ein privilegierter Einblick in die Zukunft der Branche. Und die Start-ups dieses Jahres zeichnen ein sich wandelndes Bild, das sich auf fünf Achsen gliedert. An erster Stelle steht 3D ohne Ausreden: Voxelo (Großbritannien) verwandelt ein Smartphone-Video in einen „Digital Twin“, der für die unterschiedlichsten Anwendungen bereit ist; Threedium (Spanien) generiert mit Wrkspace AI ebenfalls intelligente „Digital Twins“, die jeden Aspekt des Produktlebenszyklus unterstützen können; Ustyle (Italien) liefert personalisierte Empfehlungen, um die Produktsuche zu verbessern und den Umsatz zu steigern. Der zweite Punkt betrifft die Passform als Datenelement: Sooley (Deutschland) verwandelt ein iPhone in einen 3D-Fußscanner; Shoefitr (Niederlande) scannt Füße und fertige Schuhe und gleicht sie miteinander ab, um Rücksendungen zu vermeiden. Der dritte Punkt ist die Massenindividualisierung: Tailoor (Italien) ermöglicht es Marken, Produkte on-demand herzustellen und individuell anzupassen und so Lagerbestände zu reduzieren; den Fokus auf Made-to-Order legt auch PlatformE (Portugal), das den gesamten Prozess von der Produktentwicklung bis zum Vertrieb digitalisiert; Estyl, Like Magic (Italien) digitalisieren die Umkleidekabine mit hyperrealistischen virtuellen Anproben und automatisiertem Styling für ein sehr persönliches Einkaufserlebnis. Der vierte Pfeiler ist der digitale Produktpass: HALA (Italien) und Circular Solution (Südkorea) bereiten Unternehmen auf die bevorstehenden EU-Vorschriften vor und machen die Compliance zu einem Wachstumshebel. Der fünfte Pfeiler, der fast alle Bereiche durchzieht, ist die Reduzierung von Retouren und die Erschließung neuer Möglichkeiten im After-Sales-Bereich, vom Wiederverkauf bis zum verifizierten Recycling.
Fünf Aspekte, eine Schlussfolgerung: Innovation in der Schuh- und Lederwarenindustrie ist nicht mehr nur eine Frage von Maschinen und Technologien. Es geht auch um Daten, Digitalisierung und die Rückverfolgbarkeit der Produkte.
Während der Messe in Riva werden weitere Initiativen dem Thema Innovation gewidmet sein. Im Rahmen des „Market Focus Europa“ wird APICCAPS die Ergebnisse des FAIST-Projekts vorstellen – des 50-Millionen-Euro-Konsortiums aus Portugal, das KI und andere Technologien vom Pilotstadium in die Serienproduktion in den Fabriken überführt. Eine nützliche Referenz für alle.
Und dann natürlich „One more thing“. Die Expo Riva Schuh und Gardabags haben sich für die nächste Ausgabe eine Überraschung [2.1] ausgedacht, die Kommunikation und Innovation miteinander verbindet: Eine Auswahl an Produkten der Aussteller wird auf völlig neuartige Weise in Szene gesetzt. Mehr wollen wir noch nicht verraten, aber es wird eine Gelegenheit sein, die man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn man Produkte und Innovation liebt und den Blick in die Zukunft richtet.
Zum Abschluss kommen wir noch einmal auf einen Gedanken zurück, der Mattiello sehr am Herzen liegt: Jede KI, die wir heute nutzen, ist per Definition die schlechteste, die wir je nutzen werden. Morgen wird sie schon einen Schritt weiter sein.
Die Zukunft von Schuhen und Taschen ist also noch nicht ganz klar. Aber Innovation liegt definitiv in der Luft.
